1. Ziele von schulischen Weitwanderprojekten:

•       Die SchülerInnen sollen sich in der Entwicklungsphase der Pubertät in einer nicht vertrauten außerschulischen Lernumgebung auf besondere Weise bewähren. 
 
•       Sie sollen beim Wandern an ihre Grenzen gehen und Durchhaltevermögen entwickeln. Zunehmende Kondition und Erfahrung im Verlauf der Wanderung führen zu Erfolgserlebnissen.

•       Es geht „back to the roots“: Die SchülerInnen sollen einfache, grundlegende Dinge neu und als besonders erfahren, Bescheidenheit lernen, Entbehrungen aushalten, lernen mal ohne mediale elektronische Geräte (wie Smartphones und MP3-Player) auszukommen, sich an „kleinen“ Dingen erfreuen. 

•       Das Projekt soll echte, unmittelbare Naturerfahrungen  über alle Sinne vermitteln und dadurch Begeisterung und Wertschätzung für die Natur wecken. Einer zunehmenden Naturentfremdung im Digitalen Zeitalter soll so entgegengewirkt werden.

•       Es geht um eine andere Zeitwahrnehmung, um Entschleunigung in einer Welt auf der Überholspur.

•       Die SchülerInnen sollen den Natur- und Kulturraum, durch den sie wandern, entdecken und kennenlernen.

•       Solche Projekte sind auch ein erster Schritt zur Abnabelung von den Eltern, es fördert die Eigenverantwortung der SchülerInnen.

•       Die besondere Gruppenerfahrung beim Wandern fördert soziales Lernen: die SchülerInnen entwickeln Empathie, zeigen Hilfsbereitschaft und übernehmen Verantwortung füreinander. Sie erfahren sich als bedeutsam.

•       Die Erfahrungen auf der Wanderung stärken das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

•       Die SchülerInnen sollen den Wert des Wanderns entdecken und das Wandern lernen. 


•       Die Wirkung des Wanderprojektes soll positiv tiefgründig und nachhaltig sein. 


2. Zielgruppe

Jugendliche Schülerinnen und Schüler am Beginn der Pubertät. Schülergruppen in den Jahrgängen 7 und 8.
Die Gruppengröße sollte 22 SchülerInnen plus 2 (bis 3) erwachsene Begleitpersonen (LehrerInnen, m & w) nicht übersteigen. Mehrtägige Wanderprojekte sind sowohl im Klassenverband als auch klassenübergreifend möglich. Jahrgangsübergreifende Projekte wären ebenfalls denkbar, wurden von mir bisher noch nicht ausprobiert.



3. Bisher durchgeführte Projekte:


a. Die Welt von oben

Dieses Wanderprojekt wurde im Klassenverband zu Beginn vom Jahrgang 8 durchgeführt. 
Am 4. September 2008 brachen wir - 23 Schülerinnen und Schüler der Klasse 8c sowie zwei Lehrer der Max-Brauer-Schule in Hamburg - auf zu unserem großen 17tägigen Wanderprojekt, eine Hüttenwanderung in den Tiroler Alpen. Auf der Hinfahrt verbrachten wir 4 Tage in der Fränkischen Schweiz, um uns für die hohen Berge in den Alpen einzulaufen. Dann folgte unsere 11tägige Hüttenwanderung, unterbrochen durch einen Pausentag im Karwendelgebirge. Unterwegs wurden viele Höhenmeter bewältigt. Wir erlebten die Berge in allen Wetterlagen von hochsommerlich warm bei blauem Himmel bis winterkalt und tief verschneit. Ausrüstung und Proviant trugen wir in großen Rucksäcken auf unseren Rücken selber. Handys und andere digital-elektronische Geräte der SchülerInnen blieben zu Hause. Das Projekt wurde finanziell im Wesentlichen von der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S unterstützt.

b. Die große Eifel-Expedition

Auf den Spuren der Römer, Ritter und Rothirsche entdecken wir die Eifel


Dieses Wanderprojekt wurde klassenübergreifend am Ende des 7. Jahrgangs durchgeführt. 
Wir - eine Gruppe von 18 Schülerinnen und Schülern des 7. Jahrgangs der Elisabeth-Selbert-Gesamtschule sowie zwei Lehrer – planten und machten eine Wanderung durch die Eifel von Aachen bis zu unserer Schule in Bonn - Bad Godesberg. Dieses Wanderprojekt fand vom 12. bis zum 26. Juni 2017 statt und dauerte 15 Tage. An 13 Tagen wanderten wir. Zwischendurch wurden zwei Pausentage eingelegt. Die Gesamtstrecke, die zu Fuß zurückgelegt wurde, betrug rund 200 km. Das Gepäck bzw. die Ausrüstung und den Proviant trugen die ProjektteilnehmerInnen in Rucksäcken auf ihren Rücken selber. Smartphones und andere digital-elektronische Geräte der SchülerInnen blieben zu Hause. Die Nächte verbrachten wir in Jugendherbergen, in Selbstversorgerhäusern, auf Bauernhöfen, in einem Kloster, in einer Schulturnhalle und in einer alten Windmühle. Das Projekt wurde finanziell vom Förderverein der Schule und vom Bonner Spendenparlament unterstützt.

Grundsätzliche Überlegungen vor Beginn der Planung von Weitwanderprojekten

  • Anders als bei herkömmlichen Klassenfahrten gibt es bisher für mehrtägige Wanderprojekte keine fertigen auf Ihr Vorhaben zugeschnittenen Pakete von Reiseveranstaltern. Machen Sie sich also auf eine intensive und kreativ anspruchsvolle Vorbereitung gefasst. Mit der richtigen Einstellung und Begeisterung macht aber genau dies ganz besonders viel Spaß.
  • Mindestens 1 Jahr vor Beginn der Wanderung sollten Sie mit den Vorbereitungen beginnen.
  • Von der Idee bis zum Start der Wanderung ist es ein weiter, bisweilen steiniger Weg. Neben Leidenschaft und viel Enthusiasmus für das Projekt ist der feste Glaube an das Gelingen und eine damit verbundene Beharrlichkeit von großer Bedeutung. Nur so können die vielen, teilweise unerwarteten Hürden bei der Planung genommen werden. 
  • Seien Sie flexibel - sowohl bei der Planung als auch bei der Durchführung. Es gibt immer wieder unvorhersehbare Situationen, die ein spontanes Umdenken bzw. ein flexibles Denken und Handeln in eine neue Richtung verlangen. Dafür sollten Sie offen sein.
  • Ein Knackpunkt ist die Finanzierung des Projekts. Wenn das Projekt deutlich länger als eine herkömmliche Klassenfahrt dauern soll, muss man mit höheren Kosten rechnen. Damit kein Schüler benachteiligt wird, sollten Sie frühzeitig versuchen Fördermittel z.B. über Sponsoren oder Stiftungen aufzutreiben.
  • Es lohnt sich, das Wanderprojekt zu evaluieren und zu dokumentieren.